Wechselwirkungen

Werden mehrere Arzneimittel gleichzeitig eingenommen, kann es zu Wechselwirkungen (Interaktionen) kommen, d.h. zur gegenseitigen Beeinflussung. Dabei kann die Wirkung verstärkt oder abgeschwächt werden, außerdem können Nebenwirkungen verstärkt werden.

Auch Alkohol, Rauchen und sogar Lebensmittel (z.B. Grapefruitsaft) können die Wirkung von Medikamenten beeinflussen.

Man unterscheidet zwischen verschiedenen Möglichkeiten der Wechselwirkung:

Wechselwirkungen bei der Aufnahme (Resorption)

Bei unmittelbar gleichzeitiger Einnahme kann ein Arzneimittel die Aufnahme eines anderen verringern oder ganz verhindern. Zum Beispiel

  • kann die gleichzeitige Einnahme von bestimmten Antibiotika mit Magnesium-, Calcium- oder Eisensalzen zu schwerlöslichen Verbindungen führen, die vom Körper nicht aufgenommen werden können.

Um Wechselwirkungen bei der Aufnahme zu vermeiden, sollten betroffene Arzneimittel im Abstand von 2 Stunden eingenommen werden.

Interaktionen bei der Wirkung

Bei Einnahme mehrerer Arzneimittel kann ein Arzneimittel die Wirkung eines anderen verstärken oder verringern. Auch Nebenwirkungen können verstärkt werden. Zum Beispiel

  • können bestimmte entwässernde Mittel (Diuretika) die Kaliumausscheidung über die Niere erhöhen. Werden wegen einer Herzschwäche gleichzeitig Herzglykoside eingenommen, so kann dieser Kaliumverlust die Wirkung der Herzglykoside verstärken und dadurch das Auftreten von Nebenwirkungen begünstigen.

Wechselwirkungen beim Abbau (Metabolisierung)

Viele Arzneistoffe werden durch Enzyme in der Leber abgebaut (metabolisiert). Die Arbeit dieser Enzyme kann von anderen Arzneimitteln sowohl verstärkt als auch gehemmt werden. Bei Einnahme mehrerer Arzneimittel kann also ein Arzneimittel

  • den Abbau eines anderen Arzneimittels beschleunigen und dadurch die Wirkung verkürzen.
  • den Abbau eines anderen Arzneimittels verzögern und dadurch die Wirkung verlängern. Bei fortlaufender Einnahme des Arzneimittels kann es zur Anreicherung im Körper kommen (Kumulation).

Wechselwirkungen bei der Ausscheidung (Elimination)

Bei Arzneimitteln, die unverändert über die Niere ausgeschieden werden, kann es auch auf dieser Stufe zu Wechselwirkungen kommen. Zum Beispiel kann

  • der pH-Wert des Urins die Ausscheidung von Arzneimitteln beeinflussen, die selbst saure oder basische Eigenschaften haben. Ein leicht alkalischer Harn (z.B. nach Einnahme von Antazida) kann die Ausscheidung von sauren Arzneistoffen fördern und die von basischen Arzneistoffen verringern. Umgekehrt kann ein leicht saurer Urin (z.B. nach Einnahme hoher Vitamin-C-Dosen) die Ausscheidung von sauren Arzneistoffen verringern und die von basischen Arzneistoffen erhöhen.

Haben meine Medikamente Wechselwirkungen?

Mit Hilfe der Roten Liste oder der ABDA-Datenbank kann jede Apotheke Ihre verordneten Arzneimittel auf Wechselwirkungen überprüfen. Dies ist besonders dann empfehlenswert, wenn Sie bei verschiedenen Ärzten in Behandlung sind, oder häufig im Rahmen der Selbstmedikation zusätzliche Arzneimittel einnehmen.

In vielen Apotheken erfolgt die Prüfung auf Wechselwirkungen auch automatisch direkt bei der Abgabe an der Computerkasse. Hierbei werden aber normalerweise nur die Medikamente des aktuellen Einkaufs berücksichtigt. Ein Teil der Apotheken bietet aber die Möglichkeit, über eine Kundenkarte/Gesundheitskarte alle Einkäufe zu speichern. Dann können auch Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln aus verschiedenen Einkäufen bzw. Verordnungen überprüft werden.